Montag, 28. September 2015

In der Servicewüste...

 

Vor kurzem hatte ich mich mit einer Freundin zum Essen verabredet. Sie wohnt nicht in der Nähe, daher sehen wir uns nur selten und wenn, halten wir uns immer nen Abend frei an dem wir ins nahegelegene, italienische Restaurant gehen.

Wir waren dort schon öfter, das Essen ist gut und die auf alt getrimmten Räumlichkeiten, die nur durch Kerzen beleuchtet sind, machen eine total gemütliche Atmosphäre.
Der Chef des Lokals ist zwar ein muffiger, meist schlecht gelaunter Typ aber solange alles andere stimmte, war das nie ein Thema.

An dem Abend, einem Freitag, war dort wenig los. Ausser unserem Tisch waren nur noch zwei andere besetzt. Ein älteres Ehehpaar und ich schätze, eine Familie mit ihren erwachsenen Kindern.

Es war etwa halb 8 als wir dort ankamen, das Lokal hatte laut Öffnungszeiten bis 23 Uhr offen.

Wir bestellten bewusst keine Vorspeise, weil wir beide noch Platz lassen wollten für den Nachtisch. Schon auf der Hinfahrt hatten wir fast aufs Armaturenbrett gesabbert als wir über das göttliche Erdbeertiramisu plauderten.
Das bestellten wir immer und es war jedesmal das Highlight des Essens.

Eine der beiden Kellnerinnen, ein junges Mädchen, kam mit der Speisekarte an unseren Tisch. Das Mädchen war sichtlich erkältet, zog unentwegt die Nase hoch, hustete und sah auch sonst richtig fertig aus. Meine Freundin meinte dann noch zu ihr, dass es sie aber ziemlich erwischt hätte, worauf sie erzählte, dass bei ihr zuhause alle mit Grippe und hohem Fieber flachlägen.

Warum der Chef sie in dem Zustand noch zwischen den Tischen rumspringen liess und anmoserte, sie solle nicht so laut husten, erschloss sich uns nicht. Es war ja nix los und die zweite Kellnerin hätte locker ihren Part mitübernehmen können.

Üblicherweise gab es vorm Essen immer ein Körbchen Brot mit verschiedenen Dips, an diesem Abend kam aber nix. Das war jetzt nicht weiter schlimm, wir wollten uns wegen des Nachtischs eh nicht so vollhauen.

Beim Hauptgericht zeigten sich dann aber die ersten Probleme: Bei der Pizza meiner Freundin war der Teig noch nicht durchgebacken und meine Nudeln waren auch noch ziemlich knackig al dente.
Meins war noch essbar, meine Freundin dagegen bat den Chef, ihre Pizza nochmal kurz in den Ofen zu schieben.

Ohne ein Wort nahm er den Teller und kam einige Minuten später nochmal um ihn wortlos wieder hinzuschieben.
Zwischendrin servierte das total verschnupfte Mädchen unsere Getränke, nieste und hustete aufs Tablett, putzte sich mit lautem Brodelgeräusch die Nase an einem völlig zerfledderten, vollgeschnäutzen Tempo um dann die Gläser oben am Rand hochzuheben und uns hinzustellen.

Ehrlich, das Mädchen tat mir leid aber ich möchte auch aus keinen mit Viren vollgeschnäuzten Gläsern trinken, an denen noch feuchte Fingerabdrücke kleben. Vielleicht bin ich zimperlich aber ich fand das mehr als unappetittlich und wir baten um neue Getränke.
Das ältere Ehepaar am anderen Tisch übrigens auch. Die hatte es noch schlimmer erwischt, als die Kellnerin ihnen in den Salat kodderte. Auch den liessen sie zurückgehen.

Der Chef war sichtlich genervt aber anstatt das Mädchen mal nach Hause in ihr Bett zu schicken, hing sie fortan wie ein Schluck Wasser in der Kurve am Tresen.

Noch während wir assen, es war ca. halb neun, fing der Chef an, an sämtlichen unbesetzten Tischen die Kerzen auszublasen. Für ein romantisches Date wär das sicher ganz nett gewesen aber da mittlerweile nur noch wir und das ältere Paar dort sassen, wurde es schon ziemlich duster im Raum.

Kurze Zeit später kam er dann auf die Idee, auch noch die Stühle hochzustellen und das nicht etwa leise, nee, da wurde gepoltert und die leeren Tische quietschend durch die Gegend geschoben.

Es war einfach nervig und man konnte sich kaum noch vernünftig unterhalten. Als unsere Teller abgeräumt wurden, bestellten wir gleich unseren Nachtisch.

"Ja, das geht nicht mehr, die Küche ist schon zu!"  

 "Aber ihr habt doch immer bis 11 geöffnet, oder ?"

"Haben wir auch aber der Koch ist schon weg, weil so wenig los war!"

Spätestens da war ich echt grantig. Wir hatten uns den ganzen Tag auf diesen doofen Nachtisch gefreut und dann machen die um 9 die Küche zu? Er hätte statt dem Koch mal lieber die Kellnerin nach Hause geschickt! Davon ab, muss man kein Sternekoch sein, um ein Tiramisu aus dem Kühlschrank zu holen!

Das ältere Paar am anderen Tisch wurde mittlerweile auch etwas ungehalten. Die Frau hatte sich wohl genauso auf den Nachtisch gefreut und versuchte den Chef zu bequatschen, ohne Erfolg:
" Ok, dann bringen sie mir doch bitte noch einen Kaffee!"

"Die Maschine haben wir gerade ausgemacht!"

"Sie werdens ja wohl noch schaffen, den Stecker wieder reinzustecken oder?"

Die Frau bekam mit grantiger Miene ihren Kaffee serviert und zeitgleich, wie wir auch, die Rechnung auf den Tisch gelegt ohne dass jemand danach gefragt hätte.

Die Getränke die wir noch bestellt hatten kamen auch nicht mehr, stattdessen schlurfte die zweite Kellnerin, mit Putzeimer und Wischmop rein, machte das Licht an und fing im hinteren Teil schonmal an zu den Boden zu wienern.
Ich wartete eigentlich nur noch drauf, das der Chef mit ner Sackkarre um die Ecke kommt und uns vor die Tür schiebt.
Man hatte das Gefühl, dass wir regelrecht rausgeekelt werden sollten.
Das Ehepaar war ziemlich stinkig und rief zu uns rüber, dass sie hoffen, wir gäben ebenfalls kein Trinkgeld. Machten wir auch nicht.

Der Chef hatte allerdings wenig Interesse den Grund zu erfahren. Wir versuchten ihm zwar nett aber bestimmt zu vermitteln, dass wir die ganze Situation an diesem Abend nicht besonders doll fanden, bekamen aber null Reaktion darauf.

Nach der Nummer sagten sowohl das Paar als auch wir, dass wir unter diesen Umständen wohl nicht mehr hier essen würden und er meinte nur: " Ja, dann kann ich es auch nicht ändern! Ich will auch irgendwann mal Feierabend machen" Öhm???
Die Frau regte sich fürchterlich auf und rief ihm noch hinterher, dass er dann seine Öffnungszeiten ändern soll, wenn er will dass die Leute um 9 Uhr verschwinden!

Ich bin echt der Letzte der kein Verständnis hat, wenn man "pünktlich" Feierabend machen will. Es gibt sicher immer Ausnahmesituationen in denen man das Geschäft eher schliessen möchte aber 2 Stunden früher die Schotten dichtmachen weil ja eh kaum Betrieb ist?
Früher im Laden konnte ich auch nicht um 4 Uhr sagen:" Och, es ist so wenig los, ich schmeiss die Tante mit der Strähnenfolie aufm Kopp jetzt mal raus!"

Offenbar war es demjenigen völlig wurscht ob wir zufrieden rausgehen oder nicht. Ich fand das echt schade und die logische Konsequenz ist, dass wir dort zum letzten Mal waren.  
 
Habt ihr schonmal ähnliche Erfahrungen gemacht oder hattet das Gefühl als Kunde/Gast unerwünscht zu sein?










Sonntag, 27. September 2015

Manhattan Soft Rouge Lipstick "Dark Pomegranate"

 

Es ist schon Ewigkeiten her, dass ich in der Drogerie an der Manhattan Theke gestanden habe. Hätte nicht eine Freundin interessiert an den Testern rumprobiert, wären mir die neuen Lippenstifte gar nicht aufgefallen.
Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht: Neue Texturen, neue Verpackungen, neue Farben! Irgendwie ist die letzte Sortimentsumstellung still und leise an mir vorbeigezogen.
Genauso wie die Tatsache, dass die Lippenstifte neben Nummern, endlich Namen haben....ich bin so out ;)

Neben den All in One Lippenstiften, haben mich die  Manhattan Soft Rouge * besonders gereizt. Die Farbauswahl fand ich richtig gut, auf Anhieb hätte ich bestimmt 5 Farben einpacken können, entschied mich aber schlussendlich nur für die 960 Dark Pomegranate. Man will ja erstmal gucken wie sie sich so im Gebrauch schlagen.

Dark Pomegranate ist kein, wie man bei Name und Optik vermuten würde, kräftiges, dunkles Rot sondern ein leichter, schimmerloser Himbeerton der perfekt in den Alltag passt.



Die gelartige, leichte Textur ist sicher nichts Neues, fast jede Marke hat mittlerweile solche Produkte im Sortiment. Optisch kommt man nicht an der Ähnlichkeit zu den Dior Addict Lippenstiften vorbei und ich muss sagen, auch die Qualität steht dem in nichts nach.

Ich habe weder am Tragegefühl, noch am Auftrag etwas auszusetzen. Er kriecht nicht und die Lippen sehen gepflegt aus. Für 3,90€ ein Schnapper!
Von der Haltbarkeit darf man natürlich bei der Textur nichts Aussergewöhnliches erwarten, man muss halt über Tag öfter mal nachlegen. Ich habe erst beim Hochladen bemerkt, dass die Kamera die Farbe etwas verschluckt, aber ihr könnt ja anhand des Swatchs erkennen, dass die Farbintensität eigentlich deutlich besser ist. Den Silberblick dürft ihr dezent übersehen ;)


Wenn ich einen winzigen Kritikpunkt habe, dann ist es der doch sehr intensive Duft. An sich riecht  er gut, man hat ihn aber auch stetig in der Nase, was einigen sicher too much sein könnte.

Ich für meinen Teil, bin wirklich positiv überrascht. Manhattan hat für den kleinen Preis ein absolut gelungenes Produkt auf den Markt geworfen, dass den Vergleich mit teueren Marken nicht zu scheuen braucht. Daumen hoch!



                                                                                                                                            *Affilate Link

Mittwoch, 23. September 2015

Dorfgespräche

Wer kennt sie nicht, die Tratschgeschichten, die aus einer Mücke einen Elefanten machen.
Zum Beispiel die Titelstorys diverser Klatschheftchen: "Schock für Prinzessin Maxima! NOT-OP!"  
Hat man den Artikel aufgeschlagen stellt sich raus, dass lediglich dem Hund der Großtante unter Narkose der Zahnstein entfernt wurde.
Eigentlich rechnet man doch mit einem engen Angehörigen, der mit Blinddarmdurchbruch oder einer entfernten Niere auf Intensiv liegt, aber sowas? Zahnstein?! Wie schrecklich! Der arme Hund, ich möchte mir gar nicht vorstellen wie schlimm diese schweren Stunden für 's Königshaus gewesen sein mussten...

Ähnliches kennt man auch unter den You Tubern. Man sieht das Vorschaubild, am besten noch mit Mütze auf'm Kopf und dem vielversprechenden Titel "Ich war beim Friseur: Haare kurz!" 
Dann klickt man aufs Video, in der Erwartung einer Totalveränderung und wat is? Die gleichlangen Haare wurden von Schlüssenbein- zu "Achtung"   Schulterlänge gekürzt und man sieht bis auf 3 cm Längenunterschied gar nix!!!               

Na gut, in beiden Fällen kann man das noch recht einfach mit dem Erhöhen der Absatz- bzw. Klickzahlen erklären, doch auch ausserhalb der Medienwelt wird auch gern mal aus ner Kleinigkeit eine riesen Nummer gemacht.

Besonders in ländlichen Regionen, wo jeder jeden kennt, ist das Gang und Gäbe. In unserem Dorf haben so ziemlich alle mal Stoff für eine sensationelle Story geliefert, auch wenn es im Endeffekt nur ne Banalität war, die eigentlich kein Schwein interessiert hätte. Aber wenn man sie ordentlich aufbauscht und jeder noch ne Kleinigkeit dazuerfindet, wirds ganz schnell erzählenswert.

Da wäre zum Beispiel die Geschichte, als im nahegelegenen Stausee ein Mann von einem Hecht in den Zeh gezwickt wurde. Natürlich kursierten danach diverse Horrorstorys: Vom zerfleischten Fuss bis zur Amputation des Beins war alles dabei.

Neulich kam es wieder zu einer ähnlich brisanten Entwicklung. Morgens wurde ich schon von einer äußerst gesprächigen Nachbarin angequatscht:"Hast du das schon von Schubert's Hans gehört? Den haben sie gestern an der Tankstelle verhaftet!!!"
Besagter Hans war der Vater einer meiner Freundinnen und ich kannte ihn schon seit meiner Kindheit. Ich konnte mir viel vorstellen, aber das nicht!
Am Vormittag traf ich beim Einkaufen eine Bekannte, die bestätigte, sie habe beim Tanken gesehen, wie 2 Polizisten ihn ins Auto verfrachteten.
Im Laufe des Tages hörte ich diese Version noch mehrfach. Zum Abend hin, hatte sich die Geschichte vervollständigt: Diverse Mitbürger behaupteten nun, er hätte offenbar versucht die Tankstelle zu überfallen und wäre dabei überwältigt worden! 

So langsam verwirrte mich das Ganze dann doch Einen Tag später meldete sich meine Freundin per Whats App. Sie wollte mich mal fragen, ob ich schon die neuesten News von ihrem kriminellen Vater gehört hätte. Es stellte sich raus, dass er an diesem Tag im Stehbistro der Tankstelle einen Kaffee getrunken hatte, um sich die Zeit zu vertreiben, während sein Auto in der Kfz Werkstatt nebenan stand. Er und die beiden Polizisten, die kurz darauf in die Tanke stiefelten, waren befreundet und kannten sich schon ewig. Nach einem kurzen Gespräch, bot einer an, ihn mitzunehmen und nach Hause zu fahren, da es mit der Reparatur länger dauerte als geplant.

Er stieg hinten im Streifenwagen ein und wurde dabei von mehreren Leuten gesehen, die sich anschliessend lauter wirre Geschehnisse zusammenphantasierten.

Er nahm das Gerede mit Humor, meine Freundin und ich fanden die ganze Situation ebenfalls so skurril, dass wir uns erstmal köstlich amüsierten.

Eigentlich ist es aber gar nicht so witzig wenn man bedenkt, wie rufschädigend so ein Gequatsche sein kann. Zum Glück ebbte alles genauso schnell ab, wie es gekommen war. Als klar wurde, dass er nicht in Haft sass und ohne Fussfesseln übers Dorffest schlenderte, war das Thema schon wieder uninteressant.
Wenn den Leuten langweilig ist, muss man eben selbst für das Drama sorgen, selbstverständlich nur bei Anderen.

Vielleicht bin ich ja die Nächste, wenn ich zu lange nach der Weihnachtsdeko im Keller krame, da könnte ja was ganz anderes hinterstecken, ein Crystal Meth Labor oder so ;)