Samstag, 30. Juli 2016

Eine Herzensangelegenheit: Notfellchen



 
Lang lang ist`s her, ich weiss ;)  Ich muss zugeben, dass ich ewige Zeit absolut keine Lust hatte zu bloggen. Erst vor kurzem, als ich in der Mittagspause gerade ein konformes Low Carb Brötchen verspeist und auf dem Weg zum Gastroenterlogen war um meine Nasolabialfalte aufpolstern zu lassen, kam der Gedanke wieder auf. Naja, nicht wirklich, aber das sind Themen in der Bloggerwelt, die mich durchaus reizen wieder ein paar Zeilen zu tippen ;)

Den ersten Post möchte ich aber einer Sache widmen, die mir unendlich am Herzen liegt.
Schon länger bin ich aktiv im Tierschutz, vor einigen Wochen habe ich mich in das Projekt einer mittlerweile guten Freundin eingeklinkt. Zusammen arbeiten wir nun an unserem eigenen, kleinen Verein. Ein Wunsch den ich schon lange hatte, der aber nie wirklich realisierbar war.

Tierschutz ist immer eine kontrovers diskutierte Angelegenheit, bei der man auf viel Unverständnis aber auch viel Unwissenheit stösst. Ich bin nicht der barmherzige Samariter und möchte auch nicht beweihräuchert werden. Ich möchte lediglich für das Thema sensibilisieren.
Wen das nicht interessiert oder wer zart besaitet ist, sollte an dieser Stelle das rote X drücken.

Nun aber von vorne:
Wer mich auf Instagram verfolgt, wird mitbekommen haben, dass ich im letzten Jahr einen Hund aus Rumänien adoptiert habe.
Ehrlich gesagt, war es eine total spontane Impulsgeschichte. Schon einige Zeit vorher hatten wir mit dem Gedanken gespielt, einem Hund ein Zuhause zu geben. Wir waren erst im Tierheim, die aber wenig Interesse an einer Vermittlung hatten.

An einem Wochenende teilte irgendwer auf Facebook einen Beitrag über rumänische Strassenhunde in meiner Chronik. Es war ein Aufruf Hunden, die dort in einer Tötungsstation sassen, vor der in Kürze bevorstehenden Euthanasierung zu bewahren. Ich bin ziemlich zart besaitet wenn es um solche Themen geht aber es war wie ein Autounfall, ich konnte nicht weggucken!

So habe ich ein geschlagenenes Wochenende damit verbracht, mir das ganze Elend vom Breasta Shelter in Craiova anzuschauen. Die Bilder und Videos waren teilweise so verstörend, dass ich heulend vorm Pc sass und nachts nicht mehr schlafen konnte. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich dazu keine Fotos hochlade. Jeder soll selbst entscheiden ob er sich das anschauen kann und will. Ich möchte niemandem schlaflose Nächte bereiten. Wer sich mit der Materie intensiver befassen will, wird merken dass es keine erfundenen Schauermärchen sind. Eine zuverlässige Quelle ist zb. die Website Map of Hope.




Ich fasste aus dem Bauch heraus die Entscheidung, wenigstens einen aus diesem ganzen Scheiss rauszuholen und habe es nie bereut. Er ist ein absolut treuer und lieber Kerl und bei der Vorstellung, dass er jetzt eigentlich nicht mehr da wäre, wird mir immer noch kotzübel.



Ich habe recht schnell gemerkt, dass die Tierschützer und Vereine noch übler sind als die Bloggercommunty. Es sei gesagt, dass es viele scharze Schafe unter den Organisationen und Vereinen gibt und man muss wirklich die Spreu vom Weizen zu trennen. 
Immer wieder sieht man herzzereissende Bilder, liesst traurige Geschichten, die lediglich dazu dienen, den Leuten Spendengelder aus der Tasche zu ziehen. In Rumänien beispielsweise sind Hunde ein lukratives Geschäft. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in ärmlichen Verhältnissen und auch das Verhältnis zu Tieren ist dort völlig anders, als wir es gewohnt sind.
Kinder spielen mit Hunde- und Katzenwelpen Fussball, andere überfahren sie absichtlich, werfen sie in Öl, zünden sie lebendig an, übergiessen sie mit Teer oder prügeln sie tot. Selten gehört ein Tier zur Familie und wenn es keinen Nutzen erfüllt, wird es auf die Strasse gesetzt. Unkastriert versteht sich, denn dafür fehlt entweder das Geld oder es ist ihnen schlichtweg egal. Obwohl mittlerweile viele kostenlose Kastrationsprojekte stattfinden, werden sie nicht ausreichend genutzt. Damit könnte man das Problem an der Wurzel fassen und die massenhafte Population stoppen. Weniger Strassenhunde, weniger Hunde in den Sheltern und wenig bis keine Tötungen.

Doch genau das will man eigentlich gar nicht. Strassenhunde sind eine profitable Einnahmequelle.
Hundefänger bekommen allein 50€ für jeden Hund, den sie im Shelter abliefern. Da wird auch schonmal ein Transport überfallen oder die Tiere werden von privaten Grundstücken geklaut. Die Art und Weise wie sie mit Drahtschlingen eingefangen werden, ist erschreckend. Es existieren genug Videos wie kleine Welpen jaulend über den Asphalt gezogen werden.

Im staatlichen Shelter werden sie anschliessend 2 Wochen "aufbewahrt", hat sie bis dahin niemand abgeholt, werden sie zur Tötung freigegeben.
In dieser Zeit werden sie kaum bis gar nicht gefüttert, es sei denn freiwillige Helfer vor Ort übernehmen das. Eine medizinische Versorgung findet genausowenig statt. Überall sieht man kranke, vor sich hinvegetierende oder bereits tote Hunde in den Zwingern.

Und all das, das Fangen, das Aufbewahren, selbst das Einschläfern, wird durch EU Mittel mitfinanziert. Wobei man von Euthanasierung, wie sie hier bekannt ist, kaum sprechen kann. Wer schonmal etwas von T-61 gehört hat, weiss wie qualvoll die Tiere verenden. Oder es wird mit Äxten und Schaufeln nachgeholfen, auch keine Seltenheit, obwohl all das verboten ist. Aber es schert sich niemand darum. Man kann 1000 Petitionen starten, es ändert nichts.

Von alldem habe ich Bilder und Videos gesehen, die mir nie wieder aus dem Kopf gehen werden. Das für mich schlimmste waren die Fotos aus dem angeblichen Black Kennel im Public Shelter in Breasta. Ein Raum, komplett abgedunkelt und verdreckt, in den Wärter Hunde sperren, misshandeln und Wetten abschliessen, welcher als erster stirbt. An Grausamkeit kaum zu überbieten.
Als ich damals die Bilder von den toten Hunden sah, einer war im selben Zwinger wie Yari gewesen, mit abgeschnittener Zunge, diversen Knochenbrüchen weil man sie an den Hinterläufen gepackt und gegen die Wand geschlagen hatte, offenen Wunden und vergewaltigt, war meine Grenze erreicht.
Ich wollte nicht länger zusehen, ich wollte etwas tun!

Oft wird kritisiert, warum man Hunden im Ausland hilft und nicht hier, unsere Tierheime seien ebenso voll. Dazu muss ich sagen dass dieser Vergleich hinkt. Die Tierheime bei uns sind absoluter Luxus wenn man sich die Shelter in Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Serbien und vielen weiteren Ländern anschaut. Es gibt auch genügend Tierheime hier in DE die bewusst Hunde aus diesen Ländern aufnehmen, weil sie eben nicht genügend Vermittlungstiere haben. Dann müsste man auch diejenigen verurteilen, die einen Hund beim Züchter kaufen statt im Tierheim und genau das tue ich nicht. Jeder einzelne hat das gute Recht, für sich selbst zu entscheiden.

Wir versuchen dort zu helfen wir wo es gerade nötig ist, ob direkt hier vor Ort oder im Ausland. Aktuell konzentrieren wir uns auf die Hilfe in Rumänien, weil die Lage dort momentan äußerst angespannt ist. Durch Welpenflut und überfüllte  Zwinger, sind wöchentlich Tötungen angesetzt. Dazu kommen Krankheiten und Beissereien durch Futterknappheit, die nicht selten tödlich ausgehen. Wer mir auf Facebook folgt, wird sicher das ein oder andere gelesen haben.

Die Hilfe in Rumänien ist für mich eine persönliche Herzenssache. Unser Hund kam von dort und ich habe sehr gute Kontakte zu Rescuern und privaten Organisationen geknüpft, denen ich absolut vertraue und deren Augenmerk die Tiere und nicht der Profit ist.

So konnten wir bereits 12 Hunde retten was im Anbetracht der Situation nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist,  aber es sind 12 Tiere die die Chance auf ein besseres Leben haben werden.

Das Ziel ist, nach Kastration, Bluttests, medizinischer Versorgung und Impfung ein Zuhause zu finden. Ich weiss dass es kein Dauerzustand sein kann, die Tiere hier oder in Nachbarländer zu vermitteln, doch solange sich die Gesetzeslage nicht ändert, kann ich nicht einfach wegschauen, die Hunde haben es sich schliesslich auch nicht ausgesucht.

Wir haben in den letzten Wochen finanziell viel aus eigener Tasche bewerkstelligt, aber alles zu stemmen funktioniert einfach nicht. Wie alle Vereine sind wir auf Hilfe angewiesen (an dieser Stelle  nochmal ein Dank an Doreen) doch die Spendenbereitschaft ist angesichts vieler schwarzer Schafe im Tierschutz deutlich gesunken.

Eigentlich hatte ich nicht vor das Tierschutz-Thema hier auf dem Blog breitzutreten, doch ich habe beim Schreiben zum ersten Mal das Gefühl hier etwas wirklich Sinnvolles zu tun.



Wir haben aktuell zwei Staupe-Hunde, deren Behandlung extrem kostenintensiv ist und wenn jemand etwas erübrigen kann, und wenn es nur 2-3 € sind, dann würde ich mich freuen wenn ihr uns über den unteren Paypal Button unterstützt.

    
                                                             

Auf unserer Facebook-Seite  (die Website ist gerade im Umbau) werden regelmäßig die Spendeneingänge und Ausgänge deklariert, damit alles transparent bleibt und ersichtlich ist, wofür das Geld verwendet wird und wir uns nichts in die eigene Tasche stecken!

Ich habe auch kürzlich ausgemistet und möchte demnächst noch einen kleinen Spenden-Sale starten. Vielleicht schaut ihr mal vorbei :)

Ihr könnt euch jederzeit melden, wenn ihr Fragen habt oder sogar mit dem Gedanken spielt einen Hund zu adoptieren.








Kommentare:

  1. Hallo Tine,

    ein traurig-schöner Anlass für einen Blogpost. Vielleicht wäre Patreon etwas für euch? Auf der Website könnt ihr ebenfalls Updates hochladen (Fotos, Berichte, Videos etc.) gleichzeitig können die "Patrons" euch mit einem frei wählbaren Betrag monatlich unterstützen. Es dauert etwas, bis man sich eingewöhnt hat, aber es ist eine gute Art, dauerhaftes Interesse an der eigenen Arbeit bzw. in eurem Fall an der Vermittlungsarbeit zu generieren. Viele meiner Zeichner-Kollegen nutzen Patreon um freier und selbstbestimmter arbeiten zu können.

    Lieben Gruß!

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    1. Das kannte ich noch gar nicht, danke dir <3

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  2. Hallo,

    durch dich habe ich mit unter mit den Lesen von Blogs angefangen. Ich bin echt erschüttert, weil ich mir gerade das Video auf deinem Profil bei facebook angesehen habe, wo die Oma mit einem Knüppel auf den Hund los geht.. wie können Menschen nur so sein. Da blutet mir das Herz.

    Kann man das irgendwie teilen von euch? Das es mehr Menschen erreicht?

    Toller Hund. Finde ich klasse! :)

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    1. Das ist auch echt schlimm das Video, der Hund wurde aber gerettet und wird wieder gesund!

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  3. Liebe Tine,
    ich konnte teilweise gar nicht mehr weiterlesen, weil ich heulen musste, während mein Hund Henry mich fragend anguckt. Leider kann man nicht jedes Tier retten, aber Du hast mich tief bewegt. Das Spendenknöpfchen wurde gedrückt. Hätte ich Platz und Zeit, ich hätte ein ganzes Tierheim zuhause. Macht bitte weiter so. Liebe Grüße Angelika

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